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Hyperoxalurie

Eine erhöhte Urinausscheidung von Oxalat bezeichnet man als Hyperoxalurie. Dies führt im Urin immer zu einer Übersättigung und damit zur Auskristallisation mit Calcium = Calciumoxalatkristalle, die sich weiter zu Nierensteinen entwickeln, oder sich im Nierengewebe ablagern (= Oxalose, oder auch Nierenverkalkung).

Man unterscheidet eine primäre von einer sekundären Hyperoxalurie. Die primäre Form liegt vor, wenn durch einen Enzymdefekt im Körper zu viel Oxalat produziert wird. Zur Zeit sind drei Formen bekannt, deren schlimmste die primäre Hyperoxalurie Typ I darstellt. Bei dieser Erkrankung kommt es oft frühzeitig zum Nierenversagen durch immer wiederkehrende Nierensteinabgänge, oder aber eine zunehmende Nierenverkalkung. Auch Säuglinge und Kleinkinder können dabei betroffen sein (= infantile Oxalose). Aber auch die PH II und PH III fallen frühzeitig durch wiederkehrende Nierensteinepisoden auf.

Eine sekundäre Hyperoxalurie findet sich oft bei Darmerkrankungen, z.B. chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (M. Crohn), Malabsorptionssyndromen (Zöliakie, Cystische Fibrose), oder aber Kurzdarmsyndromen. Bei all diesen Erkrankungen kommt es zur übermäßigen Aufnahme von Nahrungsoxalat, welches später über die Nieren ausgeschieden werden muss. Aber auch eine übermäßige Zufuhr von Oxalat mit der Nahrung, oder das Fehlen von oxalatabbauenden Bakterien im Darm kann zur gesteigerten Oxalataufnahme und dann zur Hyperoxalurie führen.

Jeder Calciumoxalat Steinpatient muss also auf eine solche Erkrankung abgeklärt werden. Eine solche Diagnostik bieten wir Ihnen gerne an! Neben der initialen Urindiagnostik, bzw. der Plasmaoxalatbestimmung ist im Weiteren bei V.a. eine primäre Hyperoxalurie auch eine Mutationsanalyse der betroffenen Gene am Zentrum durchzuführen. Weitere Informationen finden Sie dazu auf unserer Webseite!

Ausgewählte Literatur

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